Einführung und Übersicht    

Die Provinzialloge von Schleswig-Holstein e.V. ist ein Zusammenschluss von rd. 500 Freimaurerbrüdern, die auch Mitglied in 14 Logen an 11 Standorten in Schleswig-Holstein sind. Sie feiert im Jahr 2025 die Gründung ihrer Vorgängerorganisation am 25. Juli 1775, also vor 250 Jahren. Sein erster Superior war Prinz Karl von Hessen, der Statthalter des dänischen Königs in den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Die Geschichte der Freimaurerei in Schleswig-Holstein ist natürlich eng mit den geschichtlichen Ereignissen im Lande in den letzten 250 Jahren verbunden.

Bekannte Persönlichkeiten mit Bezug zu Schleswig-Holstein wie Matthias Claudius, Hjalmar Schacht, Harro Harring und Jens Rusch waren bzw. sind Mitglieder in Freimaurerlogen.

Freimaurerei ist ein weltweit verbreiteter Bund von Menschen. Sie vermittelt undogmatisch Werte wie Freiheit, Toleranz, Brüderlichkeit, Selbstbestimmung und soziale Verantwortung, woraus sich auch Wohltätigkeit („Charity“) speist.

Freimaurerei ist zwar spirituell, aber keine Religion oder Religionsersatz und auch keine politische Bewegung. Das Gedankengut der Aufklärung spielt eine große Rolle, ebenso demokratische Grundlagen. Freimaurerei nimmt Traditionen der Mysterien der Antike auf, enthält auch Vorstellungen der Gnosis und mittelalterlicher Mystiker wie Meister Eckart. Nicht zuletzt nimmt auch Geselligkeit und kultureller Austausch – das gute und anregende Gespräch mit interessanten Menschen – einen wichtigen Platz im Logenleben ein. Ein englischer Leitspruch der Freimaurerei lautet „make good men better“.

Nach der mittelalterlichen Werkmaurerei von Steinmetzen in Dombauhütten, die als „Freimaurer“ den „freien Stein“ bearbeiteten, wird der Startpunkt der modernen Freimaurerei auf den 24. Juni 1717 mit der Gründung der ersten Großloge in London definiert.

Schon früh gab es Lehrlinge, Gesellen und Meister, die ersten drei Grade der Freimaurerei. Die erste Freimaurerloge in Deutschland „Absalom“ wurde 1737 in Hamburg gegründet. In diese Loge wurde der spätere preussische König Friedrich II (der Große) von Preußen 1738 in Braunschweig zum Freimaurer aufgenommen.

Die Johannislogen (1. bis 3. Grad) und die Andreaslogen (4. bis 6. Grad) eines Bezirks sind in der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLLFvD), der zweitgrößten der heute 5 Großlogen in Deutschland, verwaltungsmäßig in einzelnen Provinziallogen zusammengefasst.

Mehr als 250 Jahre Freimaurerei in Schleswig-Holstein

Etwa 500 Freimaurerbrüder sind über die Mitgliedschaft in einer von 14 Logen an 11 Standorten in Schleswig-Holstein gleichzeitig auch Mitglied in der Provinzialloge von Schleswig-Holstein e.V..

Die Provinziallogen sollen allgemein der Förderung der Freimaurerei in ihrem Bereich dienen. Es gibt derzeit 9 deutsche Provinziallogen, an deren Spitze jeweils ein Provin-zialmeister steht, der Beauftragter des Landesgroßmeisters der GLLFvD ist.

Bei der Entstehung und Entwicklung der Provinzialloge von Schleswig-Holstein sind die Beziehungen Schleswig-Holsteins zu Dänemark und den dänischen Logen von großer Bedeutung. Bis 1864 standen die Herzogtümer von Schleswig und Holstein jahrhundertelang in engster Verbindung mit Dänemark. Die Könige von Dänemark waren zugleich Herzöge von Schleswig und Holstein. Das dänische Königshaus war darüber hinaus mit deutschen Fürstenfamilien eng verwandt, es bestanden rege kulturelle Verbindungen zwischen den deutschen Staaten und Dänemark. Somit gab es auch enge Verbindungen der dänischen zur schleswig-holsteinischen Freimaurerei.

Der Meister der ersten im Jahre 1743 in Kopenhagen gegründeten dänischen Freimaurerloge „St. Martin“, der Br. Graf Danneskiold- Laurvig, hatte nach vorheriger Genehmigung der Großloge zu London 1766 eine Provinzialgroßloge von Dänemark und Norwegen mit Sitz in Kopenhagen gegründet. Norwegen gehörte damals zu Dänemark. Als die Kopenhagener Brüder sich der Strikten Observanz (eines der zahlreichen im 18. Jahrhundert entstandenen Hochgradsysteme) anschlossen, wurden die bisherigen Logen aufgelöst und in der neuen Loge „Zorobabel zum Nord-stern“ zusammengeschlossen.

Die Befugnis zur Erteilung der höheren Grade der Strikten Observanz sowie die Genehmigungsbefugnis für etwa zu gründende Johannislogen wurde der neu geschaffenen Präfektur Binin übertragen, deren Präfekt Br. Graf Danneskiold-Laurvig wurde. Binin war die zur Zeit der Strikten Observanz gebräuchliche Bezeichnung für das Gebiet der bisherigen Provinzialgroßloge von Dänemark und Norwegen.

Bereits im Jahre 1764 hatte der Br. Christian Balthasar Meier in Kolding die Johannisloge „Josua“ gegründet, deren Meister vom Stuhl er war. Br. Meier war 1738 in Hamburg geboren und schon im Jahre 1758 in der Hamburger Loge „Absalom“ zum Freimaurer aufgenommen worden. 1760 trat er in das dänische Heer ein und wurde Auditeur (Gerichtsoffizier) beim Husarenregiment. Br. Meier unterstellte seine Loge ebenfalls der Strikten Observanz und damit der Präfektur Binin.

Als im Jahre 1766 das Husarenregiment auf andere Regimenter verteilt wurde, kam Br. Meier nach Schleswig und eröffnete mit Hilfe anderer hier wohnender Brüder und mit Einwilligung der vorgesetzten Behörde in Kopenhagen seine Loge neu, die nun den Namen „Josua zum Korallenbaum“ erhielt und im September 1771 nach Rendsburg verlegt wurde.

Schon am 08. August 1771 wurde in Eutin die Loge „Zum Goldenen Apfel“ gegründet, die als älteste Loge im heutigen Schleswig-Holstein heute noch besteht und Mitglied der Großloge AFAM ist. Am 21.03. 1772 wurde im damals selbstständigen Lübeck die heutige Loge „Zum Füllhorn“ gegründet. Im Jahr 1774 wurde in Rendsburg die Schottenloge „Carl zum rothen Löwen“ installiert. Und am 6.05. 1775 wurde in Husum schließlich die Loge „Carl zur guten Hoffnung“ gegründet.

Man kann sich den Austausch und die gegenseitigen Besuche der Brüder in Rends-burg, Husum und Eutin und auch den benachbarten Logen etwa in Hamburg heute kaum noch vorstellen. Im Zeitalter der Postkutschen dauerte die Reise von einer Stadt in den Herzogtümern zu einer anderen Stadt schon einen ganzen Tag und länger. Viele Beschwerlichkeiten haben die Brüder damals auf sich genommen, um die Freimaurerei mit Leben zu erfüllen.

In die o.g. Loge „Josua zum Korallenbaum“ wurde am 04. März 1775 in einer in Schleswig stattfindenden Arbeit der Statthalter des dänischen Königs in den Herzogtümern Schleswig und Holstein, der Prinz Karl von Hessen-Kassel, zum Freimaurer aufgenommen. Mit der Aufnahme von Prinz Karl zum Freimaurer hatte ein neuer Abschnitt der Freimaurerei in Schleswig-Holstein begonnen.

Am 25. Juli 1775 wurde die Präfektur Eyendorp gegründet und Prinz Karl von Hessen-Kassel zum Superior aller Freimaurerlogen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein ernannt.

Seit 1768 war Prinz Karl als Schwager des dänischen Königs dessen Statthalter in den beiden Herzogtümern, was er bis zu seinem Tod 1836 mit 94 Jahren blieb. Er bemühte sich über 60 Jahre lang um den Ausbau der Freimaurerei in den Herzogtümern und förderte sie in jeder Weise. Die ersten Versammlungen fanden im sog. Freimaurerturm im Park von Schloss Louisenlund bei Güby statt.

König Christian VII von Dänemark übernahm mit Erlass der Kabinetts-Ordre vom 29. April 1780 das Protektorium über den Freimaurerorden in Dänemark, Norwegen und den Herzogtümern Schleswig und Holstein.

Durch königliches Edikt vom 2. November 1792 wurde Prinz Karl auch zum General-Großmeister aller Freimaurerlogen im dänischen Staatsgebiet ernannt.

Zu den bedeutenden Umbrüchen in Schleswig-Holstein im Zuge der aufkommenden Nationalbewegungen in Europa gehören sicher die Schleswig-Holsteinische Erhebung von 1848 bis 1851 – in Dänemark auch Dreijahreskrieg genannt – und schließlich der Deutsch-Dänische Krieg von 1864. Sowohl auf dänischer als auch auf deutscher bzw. preussischer oder österreichischer Seite waren natürlich auch Freimaurer beteiligt.

Kurz nach der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848-1853 bestätigte König Frederik VII mit Kabinettsordre vom 19. Juni 1853 seine Schutzbriefe für den Freimaurerorden in Schleswig und Holstein und behielt weiterhin das Protektorat über den Freimaurerorden.

Nach Eingliederung der Herzogtümer Schleswig und Holstein in den preussischen Staatsverband 1866 erfolgte die Umschreibung der schleswig-holsteinischen Freimaurerlogen zur Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Berlin, dessen Protektor und auch Mitglied der damalige König Wilhelm war, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I. Hierdurch galt das königlich-preussische Edikt Friedrich Wilhelms III. vom 20. Oktober 1798 für die Freimaurerlogen in Schleswig-Holstein. Damit behielten die Freimaurerlogen den Charakter von Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Am 29. Juli 1877 traten die schleswig-holsteinischen Freimaurerlogen in Neumünster zusammen und fassten den Entschluss, die organisatorische Vereinigung von Frei-maurerlogen in Schleswig-Holstein wieder aufleben zu lassen. Die zunächst geschaff-ene Organisation erhielt den Namen „Schleswig-Holsteinische Provinzialversamm-lung“. Die Versammlungen fanden jährlich am letzten Sonntag im Juli statt.

Schon im 18. und noch mehr im 19. Jahrhundert wirkten viele bekannte Persön-lichkeiten in Schleswig-Holstein, die auch Freimaurer waren.

Der Fayancekünstler Johann Georg Buchwald (1723-1806) zählt zu den bedeutendsten deutschen Keramikkünstlern und steht für die Blütezeit der Fayancemanufakturen in den Herzogtümern in Kiel, Eckernförde, Lübeck und Schwartau. Er war Mitglied der Loge „Zur Weltkugel“ in Lübeck.

Der Dichter und Journalist Matthias Claudius (eigentlich Clausen, 1740-1815) wurde in Reinfeld (Holstein) geboren. Seine Eltern stammten aus Süderlügum und Flensburg. Im damals holsteinischen Wandsbek bei Hamburg wurde er Redakteur der Zeitung „Der Wandsbecker Bothe“ und Mitglied der Loge „Zu den drei Rosen“. Er verfasste meist Lyrik, von ihm stammt das bekannte „Abendlied“ (Der Mond ist aufgegangen).

Der dänische Architekt Christian Frederik Hansen (1756-1845) – seine Familie stammte väterlicherseits aus Husum – wirkte auch in Schleswig und in Holstein. Zu seinen Bauten gehören viele Villen an der Altonaer Elbchaussee und der Palmaille, die Marienkirche in Husum mit freimaurerischen Bezügen, die Vicelinkirche in Neu-münster, mehrere Herrenhäuser in den Herzogtümern sowie die Hauptkirche in Kopenhagen, die  Vor Frue Kirke. Auch die Schlosskirche von Schloss Christiansborg stammt von ihm.

Der auf Fünen geborene Architekt Axel Bundsen (1768-1832) studierte in Kopenhagen und hinterließ viele Bauwerke in Schleswig-Holstein, u.a. das Gut Knoop, Gut Drult und die sehr bekannte Friedhofskapelle in Flensburg. Er war Mitglied der Loge Absalom in Hamburg.

Der Dichter und Herausgeber Heinrich Christian Boie (1744-1806) wurde in Meldorf geboren und gab den im deutschen Sprachraum populären „Göttinger Musen-almanach“ sowie später das „Neue Deutsche Museum“ heraus, in der damals moderne Literatur u.a. von Goethe, Bürger, Herder und Klopstock erstmals veröffentlicht wurden. Seinen Lebensabend verbrachte er wieder in Meldorf.

Der bedeutende Arzt Dr. Carl Ferdinand Suadicani (1753-1824) wurde in Preetz geboren und war zunächst in Glückstadt und Segeberg zuständig für die Zucht- und Tollhäuser. Er erreichte schließlich 1817 den Neubau einer Irrenanstalt in Schleswig, der ersten im heutigen Deutschland und einer der damals modernsten Einrichtungen dieser Art in Europa. Er war aktiver Freimaurer.

Der in Wobbenbüll bei Husum aufgewachsene Dichter, Maler und „Berufs-revolutionär“ Harro Harring (1798-1870) war mit Giuseppe Garibaldi befreundet, mit Karl Marx verstand er sich persönlich nicht. Er war zeitweilig Mitglied der Freimaurerloge Apollo in Leipzig.

Der in Leipzig geborenen Marineoffizier Karl Rudolf Brommy (1804-1860) gilt als Vater der deutschen Marine. Nach vielen Erfahrungen im griechischen Unabhängig-keitskrieg und der Veröffentlichung seines Lehrbuchs „Die Marine“ befehligte er als Konteradmiral ab 1849 die Reichsflotte. Diese erste gesamtdeutsche Marine führte er im Auftrag des Paulskirchenparlamentes im Zuge der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1849 gegen Dänemark.

Der Jurist Karl Samwer (1819-1882), geboren in Eckernförde, besuchte die Domschule in Schleswig, studierte in Kiel und Berlin und wurde zunächst als Gutachter in Bezug auf die hochpolitische Staatserbfolge in den Herzogtümern bekannt. 1848 berief er die provisorische Regierung von Schleswig-Holstein mit ein und nahm als Leutnant an der Einnahme der Festung Rendsburg teil.

Der Hochschullehrer und Physiker Gustav Karsten (1820-1900) wirkte u.a. als Rektor der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, Direktor des Eichwesens in den Herzog-tümern und befasste sich mit den Planungen für den späteren Nord-Ostsee-Kanal. Er war auch zeitweise Logenmeister den Johannisloge Alma an der Ostsee zu Kiel.

Der Musikhistoriker Rochus von Liliencron (1820-1912) wuchs auf dem elterlichen Gut Dollrott in Angeln auf und wurde als Begründer der deutschen Volksliedforschung bekannt. Er stellte sich 1848 zu Beginn der Schleswig-Holsteinischen Erhebung als Diplomat in den Dienst der provisorischen Regierung und führte 1880 für die spätere Kaiserin Auguste Victoria die Verhandlungen über den Ehevertrag mit dem künftigen Kaiser Wilhelm II. Sein Neffe war der Dichter Detlev von Liliencron.

Der in Sonderburg geborene Wilhelm Bahnson (1826-1919) meldete sich 1848 im Zuge der Schleswig-Holsteinischen Erhebung zur Schleswig-Holsteinischen Armee, wurde in der Schlacht von Idstedt 1850 verwundet und galt bei seinem 90. Geburtstag 1916 als der letzte schleswig-holsteinische Offizier von 1848. Als Professor unter-richtete er in Hamburg Mathematik und war langjähriges Mitglied der Loge „Zur Brudertreue an der Elbe“.

Am 24. August 1902 erfolgte eine straffere Organisation der Schleswig-Holsteinischen Provinzialversammlung. Die neue Organisation erhielt den Namen „Schleswig-Holsteinischer Logen-Gauverband“ mit dem Sitz in Kiel.

Dieser Verband bestand bis zum Verbot und zur Auflösung aller Freimaurerlogen durch die Nationalsozialisten spätestens bis 1935. Kurz vorher wurde er noch in „Provinziallogenverband Schleswig-Holstein“ umbenannt.

Nach langjährigen Vorbereitungen, maßgeblich von Brüdern der Johannisloge „Alma an der Ostsee“ zu Kiel und der Andreasloge „Fortunata“ zu Kiel vorangetrieben, wurde schließlich 1911 in Kiel das schleswig-holsteinische Ordenskapitel „Desiderata“ als Ausgründung des Hamburger Ordenskapitels „Inviolabilis“ gestiftet.

In einem Ordenskapitel werden die Erkenntnisstufen („Hochgrade“) des Schwedi-schen Systems der Freimaurerei vom 7°  bis zum 9° bzw. heute 10° bearbeitet, die so genannten Rittergrade. Im Jahr 2011 konnte hier in Kiel das 100te Stiftungsfest gefeiert werden. Das Ordenskapitel „Desiderata“ steht ebenfalls innerhalb der GLLFvD, aber seit dessen Gründung 1951 organisatorisch separat von der Provinzial-loge von Schleswig-Holstein e.V.. Das Ordenskapitel „Desiderata“ speist seine Mitglieder aus den drei schleswig-holsteinischen Andreaslogen. 

In der Folge des ersten Weltkrieges kam es 1920 im Landesteil Schleswig zu einer Volksabstimmung über eine Hinwendung zu Dänemark. In der Zone I (Nordschleswig) stimmten 75% für Dänemark, daher wurde dieses Gebiet am 15. Juni 1920 an Dänemark abgetreten. Von der 1868 in Flensburg gegründeten Loge „Wilhelm zur nordischen Treue“ aus waren während der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich Logen in Hadersleben (1882), Sonderburg (1889) und Apenrade (1899) gegründet worden. Diese drei Logen wandten sich letztlich, der Entwicklung folgend, dem dänischen Freimaurerorden zu, was nicht ohne Spannungen und Konflikte blieb.

Insbesondere die 1920er Jahre waren auch in Schleswig-Holstein eine Blütezeit der Freimaurerei. Sie war schon der der Kaiserzeit gesellschaftlich sehr angesehen und die Logen entwickelten sich positiv weiter. Die Mitgliederzahlen stiegen kontinu-ierlich, das Bürgertum strömte in die Logen. Geselligkeit und der kulturelle Austausch in den Freimaurerlogen besaßen eine große Anziehungskraft.

Besonders gegen Ende der 1920er Jahre nehmen jedoch die nationalistischen und antifreimaurerischen Tendenzen zu. In 1927 erschien die Schrift „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse“ des Generals Erich Ludendorff. Gemäß der sogenannten „Dolchstoßlegende“ werden Freimaurer, Jesuiten, Juden und Kommunisten als „überstaatliche Mächte“ gleichgesetzt und für die deutsche Niederlage im 1. Weltkrieg verantwortlich gemacht.

Der freimaurerische Abwehrkampf beginnt und Redner wie der Husumer Logen-meister Hans Lesch klären in vielen gut besuchten öffentlichen Veranstaltungen in ganz Schleswig-Holstein über die teilweise heute noch in der Bevölkerung verbreiteten Vorurteile auf, Nachwirkungen der Nazi-Greuelpropaganda. Zeitungen berichten damals regelmäßig über diese Veranstaltungen.

Die Freimaurer geben jedoch immer mehr ein Feindbild für die an Zahl zunehmenden Nationalsozialisten ab. Die Zeiten werden für die Logenbrüder immer schwieriger. Als Freimaurer bekannte Geschäftsleute werden zunächst nicht organisiert, aber doch immer merkbarer von vielen Kunden boykottiert. Die wirtschaftliche Existenz wird bedroht, mit Rücksicht auf ihre Familien treten viele Brüder aus den Logen aus.

Im Frühjahr 1933 nach der Machtergreifung müssen auch Beamte, die Freimaurer sind, Schikanen wie Versetzungen befürchten, da der neue Oberpräsident von Schleswig-Holstein Hinrich Lohse, gleichzeitig Gauleiter, als fanatischer Gegner der Freimaurerei wahrgenommen wird.

Schon 1933 schließen viele Logen auch in Schleswig-Holstein, in 1935 wird die Freimaurerei in Deutschland schließlich ganz verboten.

Nach dem Höhepunkt 1930 mit rd. 80.000 Brüdern treten 1945 zunächst nur etwa 5.000 Brüder in Deutschland den sich neu konstituierenden Logen bei, heute sind es rd. 17.000 deutsche Freimaurerbrüder.

Noch in den 1950er und 1960er Jahren hatte die Freimaurerei nicht nur in Schleswig-Holstein mit vielen Vorurteilen besonders in der weniger orientierten ländlichen Bevölkerung als Nachwirkung der NS-Propaganda zu kämpfen. Erst mit zunehmender Öffentlichkeitsarbeit ab den 1970er Jahren begann die Freimaurerei wieder ihren Platz in der Gesellschaft einzunehmen.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches konstituierte sich am 08.02.1948 in Flensburg eine Arbeitsgemeinschaft der Logenmeister Schleswig-Holsteins unter dem Vorsitz des Flensburger Logenmeisters Alexander Scharff.

Am 19. Mai 1948 traten die Vertreter der schleswig-holsteinischen Freimaurerlogen der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Rendsburg zusammen und fassten den Beschluss, den alten Provinziallogenverband Schleswig-Holstein zu reaktivieren

Zunächst sollte ein Zusammenschluss der Schleswig-Holsteinischen Logen mit der Provinzialloge von Niedersachsen, die ihre Arbeit bereits 1945 wieder aufgenommen hatte, herbeizuführt werden, da unsere Großloge, die Große Landesloge GLLGvD in Berlin aufgrund entsprechender Verordnungen der Besatzungsmächte in ihrer Logentätigkeit noch stark beeinträchtigt war.

Die Johannislogen von Kiel unter ihrem Vorsitzenden Meister Rudolf Tietz und Schleswig unter Logenmeister Paul Backe hatten sich jedoch gegen diese Fusion mit Niedersachsen ausgesprochen, um die frühere Selbständigkeit der Logen innerhalb Schleswig-Holsteins aufrecht zu erhalten und so die Anwartschaft auf eine eigene Provinzialloge für spätere Zeiten zu sichern.

Nachdem dann die Große Landesloge in Berlin ihre Tätigkeit wieder aufnehmen und damit auch die Frage der Errichtung einer Provinzialloge in Schleswig-Holstein klären konnte, lebte anlässlich einer am 12.03.1950 in Rendsburg abgehaltenen Tagung der Logenmeister von Schleswig-Holstein zunächst der alte Schleswig-Holsteinische Logenverband wieder auf. In einem weiteren Beschluss vom 01.04.1951 wurde dann die Umwandlung dieses Verbandes in eine Provinzialloge vorgenommen, zu deren Errichtung die Hauptversammlung der Großen Landesloge am 13. und 14.04.1951 ihre Genehmigung erteilte.

Am 10. Oktober 1951 erfolgte die Gründung der heutigen „Provinzialloge von Schleswig-Holstein e.V.“ als Nachfolgerin des Provinziallogenverbandes. Der von den Logenvertretern gewählte Provinzial-Großmeister Johannes Blöcker, Rektor in Kiel, wurde am 10. November 1951 in sein Amt eingesetzt.

Im 20. und auch im 21. Jahrhundert gab und gibt es einige bekannte Persönlichkeiten die auch Mitglied in einer Freimaurerloge waren oder sind, mit Bezug zu Schleswig-Holstein:

Der spätere Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht (1877-1970) wurde im nord-schleswigschen Tingleff geboren und wuchs in Heide, Husum und Hamburg auf. In 1906 wurde er in Berlin zum Freimaurer aufgenommen und bekannte sich immer dazu. Seine größte Rolle spiele er bei der Beendigung der Hyperinflation 1923, wofür ihm die deutsche Bevölkerung sehr dankbar war. Er bemühte sich 1933 vergeblich, das Verbot der Freimaurerei bei Hitler persönlich abzuwenden, wurde 1939 als Reichsbankchef entlassen und verbrachte das letzte Kriegsjahr in mehreren Konzentrationslagern. 1949 trat er erneut einer Freimaurerloge bei.

Der New Yorker Diamantenhändler Ludwig Nissen (1855-1924) war in Husum geboren worden, wurde in den USA Freimaurer und stiftete aus seinem Nachlass das Nissen-Haus in Husum, das heutige Nordfriesland Museum. Eine Verbindung zur alten Heimat stellte Landrat Heinrich Clasen (1887-1969) her, der Nissen in New York mehrfach besuchte und dessen Treuhänder in Husum wurde.

Der Studienrat und friesische Autor Lorenz Conrad Peters (1885-1949) wurde in Oevenum auf Föhr geboren. Bekannt ist seine friesische Komödie „Oome Peertje ütj Amerika“ von 1923. Sein Buch „Nordfriesland- Heimatbuch für die Kreise Husum und Südtondern“ von 1929 war sehr verbreitet. Lorenz Conrad Peters war wie Landrat Heinrich Clasen Mitglied der Husumer Loge „Zur Bruderliebe an der Nordsee“, erhielt als Lehrer Berufsverbot, wurde als Freimaurer verfolgt und in Schutzhaft genommen. In der NS-Zeit wurde er Sekretär der unabhängigen Nissen-Stiftung. 

Der Publizist Johannes Tiedje (1879-1946) stammte aus einer nordfriesischen Familie, wuchs in Hadersleben auf, verurteilte die Germanisierungspolitik in Nordschleswig und wirkte für eine Versöhnung der dänischen und deutschen Bevölkerungsgruppen beiderseits von Landesgrenzen. Im Zuge der Volksabstimmung 1920 brachte er als Grenzvorschlag die „Tiedje-Linie“ ein. Im Herbst 1945 wurde er zum Landrat des Kreises Flensburg-Land ernannt. 

Der Dithmarscher Künstler Jens Rusch (*1950) bekennt sich ebenfalls zur Freimaurerei.

Aus den letzten Jahrzehnten sind aus Schleswig-Holstein noch zwei besonders verdiente Freimaurer zu nennen, auch leibliche Brüder, die innerhalb der deutschen Freimaurerei maßgeblich gewirkt haben:

Der Architekt Hans-Jochem Feddersen (1921-1994) formte das Gesicht seiner Wahl-heimatstadt Husum und leitete 1965-1980 die Husumer Johannisloge. Sein größtes Verdienst ist jedoch die Gründung der Forschungsvereinigung Frederik e.V. in 1982, die heute europaweit mit rd. 800 Mitgliedern ein bekannter und aktiver Verein zur Erforschung nicht nur der schwedischen Lehrart der Freimaurerei ist.

Der Arzt und Dr. phil. Klaus C. F. Feddersen (1918-2003) war langjähriger Logen-meister der Johannisloge zu Flensburg und ein aktiver und sehr produktiver Frei-maurerforscher. Sein bekanntestes Werk sind „Die Arbeitstafeln in der Freimaurerei“ von 1982. Allein über die „Forschungsvereinigung Frederik e.V.“ erschienen weitere 9 Bücher über Freimaurerei unter seiner Autorenschaft.

Die 200jährige Wiederkehr der Gründung der Präfektur Eyendorp im Jahre 1975 wurde mit einer Festarbeit, geleitet vom damaligen Provinzialmeister Otto Schwarz, und anschließend einer großen Gartenparty mit rd. 400 Freimaurerbrüdern aus Deutschland, Schweden, Dänemark, England, Frankreich, Norwegen und Island im Park von Schloss Louisenlund in Güby gefeiert.       

Das 250jährige Jubiläum wurde am 14. Juni 2025 mit einem besonderen Festritual und einem anschließenden bunten Festabend im Flensburger Logenhaus am Nordergraben begangen.

Die Provinzialloge von Schleswig-Holstein e.V. mit Sitz in Kiel ist die Aufsicht der in ihrem Bereich befindlichen Freimaurerlogen der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLLFvD). Sie soll das freimaurerische Brauchtum und die brüderliche Gemeinschaft fördern.

Zum Sprengel der heutigen Provinzialloge von Schleswig-Holstein mit insgesamt rd. 400 Brüdern Freimaurer gehören heute folgende Logen:

a) Johannis-Logen (1° Lehrling, 2° Geselle, 3° Meister):
 1) „Alma an der Ostsee“, Kiel, gestiftet 1866;
 2) „Carl zur Treue“, Schleswig, gestiftet 1867;
 3) „Nordstern“, Rendsburg, gegründet 1865, bestätigt 1868;
 4) „Wilhelm zur nordischen Treue“, Flensburg, gestiftet 1868;
 5) „Zur Brudertreue an der Schwale“, Neumünster, gestiftet 1879;
 6) „Leuchte am Strande“, Eckernförde, gestiftet 1880;
 7) „Zur Bruderliebe an der Nordsee“, Husum, gestiftet 1906;
 8) „Zum Anker an der Nordsee“, Wyk/Föhr, gestiftet 1928;
 9) „Georg zur Dithmarscher Treue“, Heide, gestiftet 1930;
10) „Ambronia“, Wittdün/Amrum, gestiftet 1972;
11) „St. Michael“, St. Michaelisdonn, gestiftet 1977.

b) Andreas-Logen (4/5° und 6°):
1) „Fortunata“, Kiel, gestiftet 1877;
2) „Constantia“, Flensburg, gestiftet 1879;
3) „Voluntas“, St. Michaelisdonn, gestiftet 1979.

In Schleswig-Holstein gibt es in Westerland bzw. Tinnum, Brunsbüttel, Krempe, Bad Oldesloe und Lübeck noch weitere Freimaurerlogen der GLLFvD mit insgesamt rd. 200 Mitgliedern, die aus historischen Gründen jedoch der Provinzialloge von Niedersachsen in Hamburg zugeordnet sind.

Weiter Freimaurerlogen, jedoch zugehörig der Großloge der Alten Freien und angenommenen Maurer (AFAM) finden sich in Kiel, Flensburg, Eutin und Lübeck. Auch hier werden insgesamt rd. 200 Mitglieder gezählt.

Insgesamt gibt es damit rd. 900 Freimaurer im heutigen Schleswig-Holstein.

Historisch gab es auch in Tönning bzw. St. Peter Ording, Kappeln, Lauenburg, Pinne-berg, Mölln und Neustadt Freimaurerlogen, frühere Standorte bestehender Logen fanden sich in Glückstadt, Itzehoe, Heiligenstedten und Marne.

Die Frauen-Großloge von Deutschland hat in 2014 die Freimaurerinnenloge „Zu den nordischen Rosen“ in Flensburg als erste Frauenloge in Schleswig-Holstein gegründet.

In 1951 gestiftet, feiert die Provinzialloge von Schleswig-Holstein e.V. im nächsten Jahr 2026 ihr 75. Stiftungsfest. Seit ihrer Gründung wurde sie von folgenden Provinzialgroßmeistern bzw. später Provinzialmeistern geführt:

 1) Johannes Blöcker, Kiel                                  1951-1954 (3 Jahre)
2) Hans Kwaß, Kiel                                            1954-1957 (3 Jahre
 3) Artur Kobes, Kiel                                           1957-1963 (6 Jahre)
4) Günter Straßner, Kiel                                    1963-1969 (6 Jahre)
5) Otto Schwartz, Kiel                                       1969-1981 (12 Jahre)
6) Jürgen Käselau, Eckernförde                       1981-1989 (8 Jahre)
7) Wolfgang Demmer, Heide                          1989-1995 (6 Jahre)
8) Günter Braasch, Neumünster                      1995-1996 (1 Jahr)
9) Günter Stramm, St. Michaelisdonn           1996-1998 (2 Jahre)
10) Joachim Straßner, Kiel,                                1998-2007 (9 Jahre)
11) Burkhard Ertel, Neumünster                      2007-2009 (2 Jahre)
12) Nils Dahlgaard, Heide                                 2009-2018 (9 Jahre)
13) Georg Palm, Neumünster,                          2018-2021 (3 Jahre)
14) Hauke Thiesen, Husum,                               seit 2021

Die Bruderschaft in Schleswig-Holstein wird sich weiter aktiv dafür einsetzen, das Brauchtum, die Rituale und die Lehren der Freimaurerei zu bewahren. Freimaurer legen Wert auf den freien Mann, den freien Bürger, der an der Entwicklung der Gesellschaft mitwirken möchte.

Autor: Provinzialmeister Hauke Thiesen